Aktuelle Veröffentlichungen über Kooperationsprojekt zwischen der
Herzen-Universität, St. Petersburg,
und Wellenbrecher e.V.

Die aktuellen Ausgaben 3-2014 des Fachmagazins „Dialog Erziehungshilfe“ der AFET (Bundesverband Erziehungshilfe e.V.) sowie 9-10/2014 des Sozialmagazins/Die Zeitschrift für Soziale Arbeit (Beltz, Juventus Verlag) beinhalten jeweils einen Bericht über eine deutsch-russische Kooperation in der Arbeit mit Jugendlichen aus Risikogruppen. In dem Beitrag beschreiben Prof. Dr. Svetlana Rastschetina (Russische Staatliche Pädagogische Herzen-Universität, St. Petersburg) und Dr. Wladimir Süss (Projektleiter Auslandsprojekte Russland bei Wellenbrecher e.V.) eine seit Anfang 2001 bestehende erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen beiden Institutionen. Gegenstand der Kooperation ist die Durchführung von individualpädagogischen Projekten mit deutschen Jugendlichen in Russland unter wissenschaftlicher Begleitung durch die Herzen Universität.

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EFFSE-Symposium
„Individualisierte Pädagogik in Europa“

Das Europäische Forum für Soziale Bildung (EFFSE – European Forum for Social Education) führte vom 4. bis 7. Mai ein europäisches Symposium in León (Spanien) durch. Dabei ging es um den kollegialen Austausch über individualpädagogische Methoden zur Förderung der Bildung und gesellschaftlichen Teilhabe von benachteiligten Jugendlichen. Als Ergebnis der Tagung erschien Anfang Juni eine Dokumentation unter dem Titel „1. Internationales Symposium León“. Sie ist mehrsprachig (deutsch, spanisch und englisch) und hier heruntergeladen oder über die EFFSE-Geschäftsstelle als Buch bezogen werden. Im Folgenden veröffentlichen wir den einleitenden Beitrag von Thomas Köck, Geschäftsführer von EFFSE, der in kurzer und prägnanter Weise die Ziele und die Stoßrichtung von EFFSE beschreibt. Weiterlesen

Sozialpädagogik im heutigen Russland – Buchvorstellung

Monographie-klein

„Methodologische Grundlagen der Untersuchung der sozialpädagogischen Lage“ (Методологические основы исследования социально-педагогической ситуации») lautet der Titel des Buches, das Prof. Dr. Svetlana Rastschetina von der Russischen Staatlichen Pädagogischen Herzen-Universität St. Petersburg zusammen mit Dr. Wladimir Süss von Wellenbrecher e.V., Dortmund, geschrieben hat und jüngst in St. Petersburg vorstellte.

Darin wird der heutige Zustand der Sozialpädagogik vor dem Hintergrund seiner Entwicklung in Russland analysiert. Die Monografie stützt sich auf die im Laufe einer langjährigen Forschungsarbeit systematisierten Angaben. Es wird die Epoche der „zweiten Geburt“ oder der Wiedergeburt der Sozialpädagogik in Russland an der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert untersucht. Objekt und Gegenstand der Sozialpädagogik sowie die Auswahllogik der methodologischen und theoretischen Grundlagen werden in der gegenwärtigen sozialen Situation analysiert. Die sozialpädagogische Situation, in deren Mittelpunkt die Probleme von Kindern und Jugendlichen stehen, wird als Grundelement betrachtet, dessen Erforschung die Analyse der Makro- und Mikroerscheinungen zugrunde liegen können.
Im Teil V (Kapitel X-XII) «Методологические основы взаимодействия двух стран в решении социальных проблем подростка» wird die deutsch-russische Kooperation in der Arbeit mit Jugendlichen aus Risikogruppen beschrieben.
Das Buch wurde 2013 in russischer Sprache in Deutschland im Lambert Academic Publishing-Verlag, Saarbrücken, veröffentlicht.

Leibliche Kinder in familienanalogen Settings der Jugendhilfe

Die pädagogische Diskussion in der Jugendhilfe im allgemeinen und in der Individualpädagogik im besonderen dreht sich in der Regel um Kinder und Jugendliche, deren Herkunftsfamilien oder die Rolle der BetreuerInnen in diesen Settings. Das ist nachvollziehbar. Selten werden jedoch diejenigen thematisiert, die in den pädagogischen Prozessen ebenfalls eine Rolle spielen, dazu beitragen oder darunter leiden, ohne unmittelbar zum oben angesprochenen Personenkreis zu gehören. Das betrifft in besonderem Maße die leiblichen Kinder von Familien, die traumatisierte Kinder in ihren Familienkreis aufnehmen.
Jörg Harder, der selbst mit seiner Familie Erfahrungen in der Betreuung im Rahmen einer famiienanalogen Projektstelle gesammelt hat, hat sich in seiner Bachelor-Arbeit intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Im folgenden stellt er zusammengefasst einige Aspekte seiner Arbeit vor. Da die Arbeit inzwischen als Fachbuch veröffentlicht wurde, können wir sie an dieser Stelle nicht mehr als Download zur Verfügung stellen. Hier finden Sie die Quellenangabe. Weiterlesen

Über die Relevanz von Kommunikations-
möglichkeiten mit psychisch erkrankten Eltern im Kontext von Jugendhilfemaßnahmen im Rahmen einer systemischen Unterstützung

Von Christian Pfeiffer

Anlass für die Auseinandersetzung mit dem Thema „psychisch erkrankte Eltern“ ist vor allem dadurch gegeben, dass die Jugendhilfelandschaft sich zunehmend dieser bedeutsamen Problematik zuwendet. Netzwerke wie bspw. das KAPDO der Stadt Dortmund werden gegründet, und politische Diskussionen auf hoher Regierungsebene widmen sich ebenfalls diesem Themenbereich. Zumeist geht es inhaltlich hierbei um die Vernetzung der unterschiedlichen helfenden Professionen sowie um die Finanzierungsproblematik zwischen Gesundheits- und Sozialwesen. Ferner gibt es immer mehr wissenschaftliche Veröffentlichungen zu dem Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“ sowie gezielte Hilfsangebote für diese Systeme. Weiterlesen

Individualpädagogik im Ausland als Umsetzung des Rechtes auf Bildung

Von Gerwin Karafiol

Immer mehr Kinder und Jugendliche werden aufgrund ihrer speziellen Biographien und Bedürfnisse nicht mehr von formalen und nicht-formalen Bildungseinrichtungen erreicht. Hierfür gibt es verschiedene Gründe, die darin liegen, dass die bestehenden Institutionen zum einen auf Gruppenfähigkeiten angewiesen sind, zum anderen auf Aussonderung von Störfaktoren setzen. Diese formalen Bildungsangebote sind sehr stark input-orientiert, d.h.: sie setzen auf den Inhalt der Lehr- bzw. Lernpläne, die von mehr oder weniger zentralen Stellen festgelegt werden, ohne dabei auf das einzelne Individuum schauen zu können. Das bedeutet auch, dass der Erhalt des bestehenden Systems oder der Einrichtung im Vordergrund stehen muss und nicht das individuelle Lern- und Bildungsergebnis.

Bildung wird oftmals reduziert auf die Vermittlung von Wissen und das Erreichen von formalen Bildungsabschlüssen. Sie beinhaltet jedoch wesentlich mehr, denn sie muss alle Fähigkeiten und Kompetenzen entwickeln, die Schlüsselqualifikationen einer Mündigwerdung europäischer Bürger sind. Dazu zählen insbesondere soziale Kompetenz, kulturelle-, gesundheitliche- und politische Bildung, aber auch die Entwicklung der sogenannten Kardinaltugenden wie Pünktlichkeit, Benehmen und Verlässlichkeit, die für eine Integration in eine moderne Gesellschaft als unerlässlich angesehen werden müssen. In diesem Sinne ist es neben der Umsetzung des Rechtes auf Bildung ebenso wichtig, Kindern und Jugendlichen weiter gefasste Bildungs- und Entwicklungschancen zu bieten, um ihnen so eine, in diesem Sinne verstandene, soziale Bildung zu vermitteln und zu ermöglichen. Weiterlesen

Aus der Praxis:
Diagnostik in der Jugendhilfe

Flexible und bedarfsorientierte Hilfen mit einem hohen Qualitätsanspruch anzubieten, setzt in der Praxis der Jugendhilfe einen möglichst umfassenden Blick auf die aktuelle und biographische Situation voraus. Aus Erfahrung wissen wir, dass eine Hilfe um so erfolgreicher ist, je genauer alle wichtigen Ereignisse, Geschichten und Umstände bekannt sind und ausgewertet werden können. Darin begründet sich der diagnostische Auftrag in der Jugendhilfe, der im Vergleich mit dem auf Veränderungsprozesse ausgerichteten Betreuungsauftrag eher von klärender, analytischer und bewusstmachender Struktur ist. Der gezielte Einsatz von Fachleuten, die nicht in das System und in aktuelle Prozesse involviert sind, ermöglicht den hierfür erforderlichen neutralen Blick und eröffnet neue Wege. Wie ein diagnostischer Prozess ablaufen und in eine begründete Empfehlung münden kann, wird hier an einem konkreten Beispiel dargestellt. Weiterlesen

Individualpädagogische Maßnahmen
mit integrierten Bildungsangeboten
in Polen im Rahmen der Auslandsarbeit
von Wellenbrecher e.V.

Von Gerwin Karafiol

Wellenbrecher e.V. bietet in Polen verschiedene Bildungsbausteine an, welche innerhalb einer individualpädagogischen Maßnahme auf Grundlage des § 35 SGB VIII absolviert werden.

Die deutschen erzieherischen Hilfen im Ausland, in diesem Falle bei Wellenbrecher e.V. in Polen, dienen in erster Linie dem Zweck, auffällig gewordenen Kindern und Jugendlichen einen Schritt in ein neues, anderes Leben zu ermöglichen. Das Herauslösen aus der Familie, den gewohnten, oft hinderlichen sozialen Kontexten und das Abschneiden der Peer-Group sind wesentliche Merkmale dieser Unterbringung. Das ist allerdings aus unserer Sicht nicht ausreichend, um im späteren Leben weiterhin mit den oft traumatischen Biographien umgehen zu können. Alle Kinder in Individualmaßnahmen machen daher neue Beziehungs- und Bindungserfahrungen und lernen in projektorientierten Arbeiten, ihren Selbstwert neu zu erkennen. Dies sind bereits wesentliche Faktoren zur Bildung von Resilienz. Zusätzlich sind in Polen bereits gesundheitsfördernde Aspekte, zum Teil in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie, originärer Bestandteil unserer Jugendhilfe.

Wellenbrecher e.V. in Polen hat sich dem Konzept einer umfassenden Bildung verschrieben, um analog zu den neuesten Forschungsergebnissen einen weiteren stabilisierenden Resilienzfaktor zu entwickeln und um andererseits den TeilnehmerInnen unserer Angebote größtmögliche Bildungschancen bei Rückkehr zu ermöglichen. Wir sind der festen Überzeugung, dass nur auf diese Art und Weise das volkswirtschaftliche Ziel erreicht werden kann, auch stark auffällige Jugendliche so zu betreuen, dass sie dauerhaft nicht auf Transferleistungen in Deutschland angewiesen sein werden. Wenn wir unsere Bildungsbemühungen in Deutschland ernst meinen, so müssen wir diese auch innerhalb der Hilfen zur Erziehung, und hier vor allem in den stationären Hilfen umsetzen. Weiterlesen

„Das Wichtigste war, dass man mich
ernst genommen hat…“
Was ist Individualpädagogik?

Von Wolfgang Müller; Walther Nebel; Ralf Wiertz

Individualpädagogik ist ein Angebot in den Hilfen zur Erziehung zur Betreuung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit besonders „originellen“ Lebens- und Überlebensentwürfen.

Es ist ein Ansatz, der (bis heute?) keine universitäre wissenschaftliche Gründung erfahren hat, da er aus der Praxis, aus der gesellschaftlichen und sozialen Wirklichkeit heraus entwickelt wurde. Es existiert daher nur eine begrenzte Zahl von Untersuchungen und Veröffentlichungen zu diesem besonderen Segment der Jugendhilfe in Deutschland.
Hinzu kommt, dass die Individualpädagogik ihren Ausgangspunkt zu Beginn der 90iger Jahre in einer Region der Bundesrepublik nahm (Nordrhein-Westfalen), von wo aus sie sich langsam aber stetig auszubreiten begann und dies noch immer tut. Erschwerend für die zügige und klare Herausbildung eines eigenen Profils war der Umstand, dass sich eine z.T. bis heute andauernde fehlende Trennschärfe zu dem einstellte, was landläufig unter dem Begriff „Erlebnispädagogik“ firmiert. Weiterlesen

Deutsch-russische Kooperation in der Arbeit mit Jugendlichen aus Risikogruppen (russische Übersetzung)

Für unsere russischen Kooperationspartner und Leser bieten wir Ihnen hier eine PDF-Datei mit der Übersetzung des Beitrages von Prof. Dr. Svetlana Rastschetina (Sankt Petersburg) und Dr. Wladimir Süss (Dortmund). Der russische Titel des Beitrages lautet “ТЕОРЕТИЧЕСКИЕ И ПРАКТИЧЕСКИЕ ОСНОВЫ ВЗАИМОДЕЙСТВИЯ СПЕЦИАЛИСТОВ ДВУХ СТРАН В РЕШЕНИИ ПРОБЛЕМ ПОДРОСТКА ГРУППЫ РИСКА